Magazin Mensch

vom:

Ein Stück gemeinsam unterwegs

Uwe Lütjen und Kai Schulz stehen auf einem Balkon, stützend auf einem Geländer, und sehen in die Kamera.

Ein Wechsel passiert selten an einem festen Datum. Er beginnt früher. Leise, im ­Alltag, in Gesprächen, die sich wiederholen, während sich gleichzeitig etwas ­verschiebt, das man nicht sofort benennen kann. Beim DRK-Kreisverband Stade ist genau das zu beobachten gewesen.

Seit einigen Wochen sind Uwe Lütjen und Kai Schulz gemeinsam unterwegs. Sie fahren zu Einrichtungen, sitzen zusammen in Terminen, sprechen mit Mitarbeitenden, treffen gemeinsame Entscheidungen und tauschen Eindrücke aus. Vieles passiert nebeneinander, aber selten getrennt. Es wird gemeinsam gesehen, gemeinsam besprochen und oft direkt eingeordnet, noch während der Eindruck frisch ist.

„Mir ist wichtig, ein Gefühl für die Arbeit und die Menschen zu bekommen“, sagt Kai Schulz. Er sagt das ruhig, fast selbstverständlich, und genau so geht er diese ersten Wochen auch an. Nicht mit dem Anspruch, sofort Antworten zu liefern, sondern mit dem Wunsch, die Abläufe kennenzulernen, die Gedankengänge aller mitverfolgen zu können und sich daraus ein Bild machen zu können. Uwe Lütjen nickt an dieser Stelle. Dieses Verstehen ist ihm vertraut, nur aus einer anderen Perspektive. Für ihn geht es gerade darum, Schritt für Schritt loszulassen, ohne dass es sich nach einem Bruch anfühlt. „Den richtigen Zeitpunkt kennt man nie“, sagt er. „Das kann man immer erst im Nachhinein beurteilen.“

Es ist ein Satz, der hängen bleibt, weil er so wenig glatt ist. Kein klarer Entschluss, keine einfache Antwort, sondern eher ein Abwägen, das über längere Zeit gewachsen ist. Für ihn war wichtig, nicht zu spät zu gehen, auch wenn er diese Entscheidung zwischendurch immer wieder hinterfragt hat.

Während er das sagt, wird deutlich, dass dieser Übergang für beide Seiten etwas anderes bedeutet. Für Kai Schulz ist es der Einstieg in eine neue Verantwortung, getragen von dem Eindruck, dass hier bereits vieles sehr gut funktioniert. „Das, was wir hier haben, ist wirklich beeindruckend“, sagt er. Gerade die gemeinsamen Termine in den Einrichtungen haben ihm gezeigt, wie viel Engagement in den einzelnen Bereichen steckt. „Da sind so viele Menschen, die genau wissen, was sie tun.“ Für Uwe Lütjen ist es genau dieser Punkt, der ihm den Abschied leichter macht. „Hier sind einfach richtig gute Menschen“, sagt er. „Die wissen, wie es läuft. Und man kann sich auf sie verlassen.“

Es ist weniger eine Analyse als eine Erfahrung, die sich über Jahre aufgebaut hat. Vertrauen in Strukturen, aber vor allem in Menschen. Genau das ist es, was er weitergibt.

Uwe Lütjen und Kai Schulz stehen auf einem Balkon vor einem Gebäude, reden und lachen.
Uwe Lütjen und Kai Schulz
Fotos: © Jörg Struwe – picselweb.de

Und genau das ist es, was Kai Schulz in diesen Wochen aufnimmt und genau so weiterentwickeln möchte. Er begleitet von Anfang an Gespräche, bringt eigene Gedanken und Perspektiven ein, diskutiert Themen mit und verschafft sich gleichzeitig einen tiefen Einblick in die Arbeit des Kreisverbandes. Er hört zu, fragt nach, lässt sich Dinge erklären und nimmt Eindrücke mit. Die Gespräche verlaufen dabei nicht immer gleich. Manchmal geht es schnell, manchmal wird länger diskutiert.

„Natürlich sieht man Dinge nicht immer gleich“, sagt er. „Aber genau das gehört ja dazu.“ Uwe Lütjen ergänzt diesen Gedanken fast beiläufig. „Wichtig ist doch, dass die Richtung stimmt.“

Und genau darin treffen sich beide. Unterschiedliche Herangehensweisen sind kein Problem, solange das gemeinsame Ziel klar ist. In den Unterhaltungen zeigt sich immer wieder, dass es weniger um Gegensätze geht als um Perspektiven. Diese gemeinsame Basis sorgt dafür, dass der Übergang ruhig bleibt. Es gibt keine sichtbaren Brüche, keine hektischen Entscheidungen. Stattdessen entsteht Schritt für Schritt ein gemeinsames Verständnis. Für Themen, für Abläufe und für das, was diesen Kreisverband ausmacht.

Für Kai Schulz bedeutet das auch, Verantwortung Schritt für Schritt zu übernehmen und gleichzeitig bestehende Strukturen kennenzulernen. „Ich möchte nicht alles auf den Kopf stellen“, sagt er. „Mir geht es darum, gemeinsam mit den Menschen hier das nächste Kapitel zu schreiben.“ Ein Satz, der nicht nach Umbruch klingt, sondern nach Weiterentwicklung.

Uwe Lütjen hört das und lächelt. Für ihn ist genau das entscheidend. Dass das, was aufgebaut wurde, nicht verloren geht, sondern weitergetragen wird. „Der Mensch steht hier immer im Mittelpunkt“, sagt er. „Das soll auch so bleiben.“

Es ist eine Haltung, die sich durch seine Zeit zieht und die er als Grundlage für die Zukunft sieht. Während Kai Schulz nach vorne schaut, beginnt für Uwe Lütjen langsam ein anderer Abschnitt. Und auch dieser Teil wirkt weniger geplant als gewachsen. „Wenn es dann so weit ist, ist es irgendwie doch ein bisschen zu früh“, sagt er und lacht. Was ihm fehlen wird, kann er dagegen sehr klar benennen. „Ich werde die Menschen vermissen. Den Austausch, die Gespräche und das Miteinander.“ Es sind nicht die großen Themen, die bleiben, sondern die vielen kleinen Begegnungen im Alltag. Die schwierigen Verhandlungen, die herausfordernden Entscheidungen, all das gehört dazu, aber es ist nicht das, was den Abschied prägt. „Das werde ich nicht vermissen“, sagt er offen.

Kai Schulz hört zu, während er das sagt. Für ihn ist genau dieser Austausch gerade das Wichtigste. „Wir haben hier so viele Experten“, sagt er. „Die müssen gehört werden und die müssen auch machen dürfen.“ In diesem Satz steckt bereits viel von dem, was seinen Einstieg prägt. Vertrauen in die Menschen, die da sind, und der Wunsch, gemeinsam weiterzuarbeiten. 

Ihm ist sehr bewusst, welche Aufgabe vor ihm liegt und welche Verantwortung damit verbunden ist. Gleichzeitig spürt man, dass ihn genau das nicht ausbremst. Er verlässt sich auf das, was hier gewachsen ist, auf die Organisation und auf die Menschen, die diesen Verband tragen. „Man wird vielleicht auch mal stolpern“, sagt er. „Aber man wird nicht fallen.“

Uwe Lütjen kennt diese Momente. Die Phasen, in denen Entscheidungen nicht einfach sind, in denen Dinge sich entwickeln müssen. „Das gehört dazu“, sagt er. Und vielleicht ist genau das die Verbindung zwischen beiden. Der eine hat diese Erfahrungen gemacht, der andere wird sie machen. Der eine gibt weiter, was aufgebaut wurde, der andere nimmt es dankbar auf und führt es fort.

Zum 1. Juni hat Kai Schulz die Verantwortung als Vorstandsvorsitzender und Kreisgeschäftsführer übernommen. Uwe Lütjen wird sich zum 30. Juni in den Ruhestand verabschieden.

Für ihn beginnt dann ein neues Kapitel, das sich ganz anders anfühlt als die Jahre zuvor. Mehr Zeit für die Familie, vor allem für seine Enkelkinder. „Auf das Opasein freue ich mich unfassbar“, sagt er.  Er spricht von Zeit mit seiner Frau, von gemeinsamen Unternehmungen mit den Enkelkindern und davon, vieles nachholen zu können, wofür im Alltag oft zu wenig Raum geblieben ist. Besonders freut er sich darauf, mehr Zeit auf dem Fahrrad zu verbringen und gemeinsam mit seinen Söhnen das ein oder ­andere neue Projekt umzusetzen. Auch gemeinsame Reisen mit seiner Ehefrau stehen auf seiner Liste, ohne festen Plan, ohne Zeitdruck, einfach mit der Möglichkeit, Dinge auf sich zukommen zu lassen.

Ganz loslassen wird er nicht. Das Rote Kreuz wird Teil seines Lebens bleiben, wenn auch in einer anderen Rolle.

Kai Schulz hört zu und sagt nichts dazu. Muss er auch nicht. Denn für beide beginnt ein neuer Abschnitt. Und irgendwo dazwischen passiert dieser Übergang.

Service-Center

Im DRK-Service-Center erhalten Sie umfassende Informationen zu den vielfältigen Angeboten, Projekten und Dienstleistungen des Deutschen Roten Kreuzes in der Region.

Telefon

04141 8033-0

E-Mail

info@kv-stade.drk.de

Öffnungszeiten

Montag - Donnerstag
7:30 bis 16:30 Uhr
Freitag
7:30 bis 14:30 Uhr

Accessibility Toolbar