Es gibt diese Momente, in denen es plötzlich ganz still wird. Nicht, weil niemand mehr da ist, sondern weil alles gesagt ist, was gesagt werden konnte. Und genau dann beginnt etwas, für das es einen besonderen Raum braucht. Im Landkreis Stade wird ein solches Angebot entstehen. Die DRK-Hospiz Stade – Stiftung schafft ein stationäres Hospiz. Acht Plätze wird es geben. Acht Zimmer, in denen Menschen ihre letzte Lebenszeit verbringen können.
Doch wer jetzt an ein klassisches Pflegeangebot denkt, liegt daneben. Denn das, was hier entsteht, ist etwas anderes. Ein Hospiz ist nicht einfach ein Gebäude, in dem das Leben endet. Es ist ein Rahmen, in dem es eine andere Bedeutung bekommt. Es geht nicht mehr darum, was noch alles möglich ist, sondern darum, was jetzt wichtig ist.
Das Konzept dahinter ist klar. Menschen, die unheilbar erkrankt sind und deren Lebenszeit begrenzt ist, sollen hier umfassend begleitet werden. Medizinisch, pflegerisch, aber eben auch menschlich. Schmerzen werden gelindert, Ängste aufgefangen, Gespräche geführt. Pflege, Medizin, Seelsorge und soziale Begleitung greifen ineinander.
Doch das Entscheidende steht zwischen diesen Zeilen. Es geht um Zeit. Zeit, die nicht durchgetaktet ist. Zeit für Gespräche, die sonst keinen Platz finden. Zeit für Erinnerungen, für Rituale, für alles Wichtige, was das Leben ausgemacht hat.
Und genau hier zeigt sich, wie ein Hospizalltag aussieht. Der Tag beginnt nicht nach Plan, sondern nach Bedarf. Manche Gäste stehen auf, wenn sie es möchten. Andere bleiben gerne liegen. Es gibt kein „Muss“, sondern Möglichkeiten. Vielleicht ein gemeinsames Frühstück in kleiner Runde, vielleicht Ruhe im eigenen Zimmer. Pflege findet statt, wenn sie gebraucht wird, nicht wenn ein Zeitfenster es vorgibt.
Gespräche entstehen, immer wieder zwischendurch. Nicht angekündigt, nicht terminiert, manchmal leise, manchmal intensiv. Manchmal geht es um Erinnerungen, manchmal um ganz Alltägliches. Und manchmal reicht es, einfach da zu sein.
Auch kleine Dinge bekommen hier einen besonderen Wert. Ein Lieblingsessen, ein vertrautes Lied, ein Blick nach draußen, ein Besuch zur richtigen Zeit. Es sind oft genau diese Momente, die den Unterschied machen. Sie geben den Tagen Inhalt. Nicht als Ablenkung, sondern als Teil des Lebens.
Denn darum geht es: den letzten Tagen nicht weniger, sondern mehr Leben zu geben.
Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit. Seine Gewohnheiten, seine Wünsche, seine Vorstellungen. Und genau daran richtet sich der Alltag aus. Es wird gemeinsam gegessen, wenn es passt. Besuch ist möglich, wann immer er gewünscht ist. Angehörige können bleiben. Und wer möchte, kann sich zurückziehen. Hier wird nichts vorgegeben, sondern vieles ermöglicht.
Im Hospiz werden Erwachsene begleitet. Menschen, die von Familie und Freunden begleitet werden. Und ebenso diejenigen, die niemanden haben. Die sonst vielleicht allein wären in dieser Phase ihres Lebens. Auch sie sollen nicht allein bleiben müssen. Auch sie sollen erleben, dass jemand da ist.
Für Angehörige verändert sich vieles. Sie müssen nicht mehr alles leisten. Sie dürfen loslassen, ohne sich zurückzuziehen. Sie können wieder Nähe zulassen, ohne dass die Belastung alles bestimmt. Es entsteht Zeit für Gespräche, für gemeinsame Momente, für einen Abschied, der nicht von Überforderung geprägt ist.
Für den Landkreis Stade ist dieses Projekt „DRK-Hospiz Stade“ deshalb ein echter Meilenstein. Bislang gibt es kein stationäres Hospiz im Landkreis. Das bedeutet: Menschen mussten bisher gehen, wenn sie bleiben wollten. Weg aus ihrer Umgebung, weg von dem, was vertraut ist. Dass sich das jetzt ändern soll, ist mehr als ein neues Angebot.
Es ist ein starkes Signal. Ein Signal dafür, dass man sich auch den leisen Themen stellt. Den Themen, die oft ausgeblendet werden, die aber jeden betreffen können. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber irgendwann.
Dass dieses Projekt jetzt so konkret wird, liegt auch daran, dass viele es gemeinsam tragen. DRK-Kreisverband Stade, Landkreis, das Elbe Klinikum, die Klinik Dr. Hancken, die Hospizgruppen aus Stade, Buxtehude und Harsefeld, die Kirchenkreise Stade und Buxtehude sowie die Kassenärztliche Vereinigung haben sich gemeinsam hinter dieses Vorhaben gestellt. Das ist mehr als eine formale Unterstützung. Es ist ein gemeinsames, klares Bekenntnis: Wir möchten, dass es dieses Angebot gibt. Und wir tragen Verantwortung dafür, dass es entsteht.
Und trotzdem wird dieses Hospiz nicht einfach so gebaut werden können. Ein Teil der Finanzierung ist notwendigerweise auf Spenden angewiesen. Eine Spende ist nicht einfach Geld für ein Bauprojekt. Sie wird Teil dieses Vorhabens. Sie hilft dabei, Räume zu schaffen, in denen Menschen Zeit haben. Sie trägt dazu bei, dass jemand begleitet wird, der sonst vielleicht allein wäre. Sie macht es möglich, dass dieses Mehr an Leben auch wirklich stattfinden kann. An einem Ort der genau dafür errichtet wird.
Michael Roesberg, Präsident des DRK-Kreisverbandes Stade, sagt dazu: „Wir als DRK tun mit dem Hospiz etwas Wichtiges und etwas Richtiges! Und mit Unterstützung der ganzen Gesellschaft im Landkreis werden wir es schaffen.“
Dieser Satz ist eine Einladung. Eine Einladung, Teil von etwas zu werden, das für viele Menschen eine große Bedeutung haben wird. Etwas, das man sich für alle Menschen als würdevolles Lebensende wünscht. Ein Ort an dem niemand allein sein wird, ein Ort an dem die Zeit einen besonderen Rahmen bekommt.
Unterstützen Sie uns
Wer das Projekt unterstützen möchte, kann dazu beitragen, im Landkreis einen einzigartigen, besonderen Rahmen für ein würdevolles Lebensende zu schaffen.
Ansprechpartnerin für das Hospiz: Beke Cordes
SPENDENKONTO: DRK-Hospiz Stade – Stiftung
IBAN: DE16 2415 1005 1210 6359 99
