Haltung zeigen. Verantwortung tragen.
Ein Gespräch mit einem Ortsverein über eine schwierige Lage. Eine Sitzung, in der Zahlen und Menschlichkeit zusammenkommen müssen. Ein Beschluss, der Konsequenzen hat. Präsidiumsarbeit beim DRK-Kreisverband Stade heißt: über 8.000 Mitglieder und knapp 1.900 hauptamtliche Mitarbeitende bei den Beratungen im Präsidium im Blick zu haben.
Präsident Michael Roesberg, Harsefeld, steht an der Spitze des Präsidiums. Er repräsentiert das DRK bei Kommune, Land und vielen Partnern und ist quasi Aufsichtsratsvorsitzender des großen Sozialdienstleisters und Wohlfahrtsverbandes. An seiner Seite stehen Vizepräsidentin Annegret Bösch, Drochtersen, und Vizepräsident Rolf Riggers, Hollern-Twielenfleth. Das Präsidium wird von der Mitgliederversammlung gewählt. Es besteht aus dem Präsidenten, seinen beiden Stellvertretern und bis zu sechs weiteren Mitgliedern. Dazu kommen die Vertreterinnen und Vertreter der Rotkreuz-Gemeinschaften: der Bereitschaften, des Jugendrotkreuzes, der Wohlfahrts- und Sozialarbeit sowie der Katastrophenschutz-Beauftragte. Alle arbeiten ehrenamtlich. Menschen, die ihre Erfahrung, ihre Zeit und ihren Namen einbringen.
Die Aufgaben sind konkret. Das Präsidium gibt die strategische Richtung für alle DRK-Einrichtungen vor. Es begleitet den hauptamtlichen Vorstand, prüft Wirtschaftspläne, genehmigt Investitionen und sichert die Finanzierung sozialer Angebote. Es unterstützt die Ortsvereine und begleitet die ganze ehrenamtliche Arbeit des DRK. Es schafft den Rahmen für das Ehrenamt, bei dem z. B. Blutspendetermine laufen, Katastrophenschutzeinheiten einsatzbereit bleiben, Seniorenarbeit stattfindet und das Jugendrotkreuz gefördert wird.
„Repräsentieren gehört dazu“, sagt Michael Roesberg. „Aber der eigentliche Kern ist das Abwägen verschiedener Belange, das Zusammenbringen unterschiedlicher Perspektiven, das Finden einer Linie, die das DRK trägt.“
Maßstab für jeden Beschluss im Präsidium sind die sieben Grundsätze des Deutschen Roten Kreuzes: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Das Präsidium trifft Entscheidungen, die vielleicht nicht jedem liegen, aber notwendig sind. Es denkt langfristig. Es bleibt am Tisch, auch wenn Themen komplex werden.
„Ehrenamt im Präsidium bedeutet: Ich stehe dafür ein und übernehme Verantwortung“, sagt Annegret Bösch. „Nicht nur am Sitzungstisch, sondern auch draußen, denn ich trete dafür ein, wofür wir stehen“. Rolf Riggers ergänzt: „Wir sind hier, weil unsere Region ein starkes Rotes Kreuz braucht.“
Ein aktuelles Projekt zeigt, was diese Arbeit bedeutet: Der DRK-Kreisverband Stade gründet ein stationäres Hospiz. Acht Plätze für schwerstkranke Menschen, die eine würdige Begleitung in ihrer letzten Lebensphase brauchen. Wohnortnah, im Landkreis Stade. Eine Versorgungslücke, die damit geschlossen wird. Ein Projekt dieser Größe braucht Rückhalt. Genau das ist Präsidiumsarbeit: solche Vorhaben anstoßen, die Strukturen schaffen, die Verantwortung tragen.
„Was mich trägt“, sagt Michael Roesberg, „ist die Breite und Tiefe dieser Aufgabe. Man wirkt mit Menschen, die alle ein hohes Maß an sozialer Kompetenz haben. Das macht stolz und das macht demütig.“ Und dann sagt er etwas, das über sein Präsidentenamt hinausgeht: „Ich bedanke mich ohnehin bei jedem, der zur Blutspende kommt und Leben rettet. Bei denen, die im Katastrophenfall bereitstehen. Bei allen, die Senioren besuchen und aus der Einsamkeit holen, oder die Kinder aufs Leben vorbereiten. Bei jedem, der sich hilfsbereit um andere kümmert. Bei jedem, der Dienst an seinen Mitmenschen leistet, ob in der Familie, der Nachbarschaft oder darüber hinaus.“
Ehrenamt ist nicht selbstverständlich. Kein Gesetz verpflichtet dazu, kein Vertrag. Trotzdem stehen jeden Tag Menschen auf und tun etwas für andere. Das verdient Respekt. Und eine ehrliche Frage an sich selbst: Was könnte mein Beitrag sein?
